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José Honrubia
Wir sind fest der Meinung, daß die Größe der Welt durch eine neue Schönheit bereichert wurde:
Die Schönheit der Geschwindigkeit. Ein Rennauto mit seinen von dicken Rohren geschmückten Fahrgestell, die schlangenähnlich seinen explosiven Atem ausstoßen ... ein brüllendes Auto, daß über Metallsplittern zu reiten scheint, ist großartiger als der Sieg zu Samotracia
aus dem Manifest des Futurismus, Le Figaro 20.02.1909

 

Time is money!

Zeit ist kostbar. Zeit ist alles.

Zeit definiert sogar den Meter,
(als die Länge der Strecke, die Licht im Vakuum während der Dauer von 1/2999792458 sec durchläuft).

Entfernungen schrumpfen im Geschwindigkeitsrausch: Hamburg - Berlin in 90 Minuten!

Geschwindigkeit ist das Zauberwort. Geschwindigkeit spart Zeit. Und Zeit ist Geld.

Also kauft sich der Mensch, um zu sparen, ein Automobil.

Da er aber für Anschaffung, Steuern und Versicherung, Wartung und Benzin seines Fahrzeugs arbeiten, d.h. Zeit investieren muß, relativiert sich die Geschwindigkeit, mit der er sein Ziel erreicht.

Die Bilanz der gefahrenen Kilometern zur Fahrzeit + der zum Betrieb des Fahrzeugs aufgewendeten Arbeitszeit ist ernüchternd; unterm Strich ist das Fahrrad schneller. Mit zunehmender Verkehrsdichte verringert sich auch noch die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit, so daß das Auto immer weniger seiner Aufgabe als schnelles Beförderungsmittel gerecht wird.

Der Mensch erwirbt sein Auto also nicht, um Zeit oder Geld zu sparen, wie er sich gerne einredet, vielmehr gehorcht er dem Gesetz der Trägheit: Einen ruhenden Körper in Bewegung zu setzen kostet Energie! Der Mensch ist bequem, die in "Arsch-Tritt-Maschine" zum Patent angemeldet.

José Honrubia
Und da die Überraschung: Ist der müde Körper erst einmal auf Trab gebracht, wird auch der Geist wieder munter. Die zur Überwindung der Trägheit investierte Energie = Arbeit bleibt im System gespeichert. Das Energieniveau wird höher, beim Auto, wie beim Menschen. Das Auto mutiert dabei zum lebensgefährlichen Geschoß, dem Menschen verschafft es Befriedigung:

Kein technisches Gerät hat den Erfindergeist so vieler Menschen beschäftigt, wie das Fahrrad, die Siebenmeilenstiefel des vorwärts drängenden Menschen.

Wenn der Aktionsradius um das siebenfache vergrößert wird, vergrößert sich die Aktionsfläche um fast das fünfzigfache, das heißt auch: fünfzig mal mehr Kontakte, Möglichkeiten, Begegnungen. Die Potenz eines Riesen!

Zwanzigfache Geschwindigkeit dagegen, wie es das Konkurrenzmodell der Autoindustrie verspricht, überfordert auch die Kraft eines Giganten. Tote unausbleiblich.

Macht über Raum und Zeit. Freiheit grenzenlos!

Die Straßenverkehrsordnung erlaubt es, Menschen im Straßenverkehr zu töten. Ein kleiner Fehltritt (bei Rot auf die Fahrbahn) wird mit dem Tode bestraft. Der Autofahrer: Richter und Henker in einer Person. Täter und Opfer. Es kann nur einen Weg aus dem Dilemma geben:

 

Runter mit der Geschwindigkeit!
Langsamkeit schont Menschenleben und Ressourcen!

 

Die gedopte Potenz, eine Mogelpackung.
Der Körper läßt sich nicht täuschen; er braucht Bewegung, braucht Stimulans, nur dann fühlt er sich wohl. Hier kann das Fahrrad ein zweites Mal punkten. Allerdings dürfen die Siebenmeilenstiefel nicht drücken. Noch sind sie klobig und schwer. Um mit siebenfacher Schrittgeschwindigkeit durch die Landschaft zu rollen, braucht es die Kondition eines Sportlers. Bewegung ist Leben, und das Leben kann hart sein wie ein Fahrradsattel: Der Hintern wund, der Rücken krumm und die Handballen taub. Es müssen keine zehn Servomotoren im Sitz für Bequemlichkeit sorgen, aber ein bißchen Komfort und ein Dach überm Kopf sollten schon sein!

 

small is beautyful

... im Unterschied zum Automobil, dessen Masse zunächst einmal selbst bewegt werden muss, wird das Anthromobil vom Menschen bewegt, um den Menschen zu bewegen, - auf menschen- gerechte Weise, mit Menschenkraft und mit menschengemäßer Geschwindigkeit.' (T.Enke Pro Velo 4/95)

 

Der mobile Mensch:
Höchstgeschwindigkeit: 30km/h. Mobil auch im Geist. Versuche aber, die Gedanken mit Raketen einzuholen, sind zum Scheitern verurteilte Allmachtsfantasien. Grenzverletzungen werden bestraft. Hochmut kommt vor dem Fall. Der Aufprall mit 120 km/h auf ein Hindernis entspricht einem Sturz aus 60 m Höhe.

 

Wahre Befriedigung stellt sich sowieso nur ein, wenn Körper und Geist harmonieren. Jeder kennt den Punkt, an dem Körper und Geist in Resonanz geraten; den Moment, wenn es läuft. Jeder kennt die Energie, die Grenzen sprengt: Der Musiker, wenn er es hat, der Tänzer, der Sportler und der Reiter auf seinem Pferd. Auf seinem Rücken hat er den Planeten erobert.

Machen wir uns frei! Nehmen wir das Rad einmal selbst in die Hand und rollen es vorwärts: Wenn wir dabei einen Punkt auf dem Reifen fixieren, werden wir in seiner Bewegung die in die Kreisbahn gezwungene, pulsierende Welle des Lebens erkennen. Nur das Zentrum des Rades, die Achse, an der wir unsere Technik aufgehängt haben, bewegt sich (unnatürlich) gleichförmig.

Bewegung ist Rhythmus: Fuß heben, vorstrecken, aufsetzen, abrollen. Anstatt die Laufmaschine des Freiherrn Drais dem Bewegungsmuster des Menschen anzupassen, unterwirft sich der Mensch der Bewegung des Rades und tritt - wie der Affe auf dem Schleifstein - in die Kurbel seines Drahtesels. Dabei liegt doch bekanntermaßen das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde! Folgerichtig kam in den 70er Jahren das Herkules-Cavallo auf den Markt.
(Vehikel, die einen Mythos transportieren, werden gerne nach Göttern benannt). Das Cavallo war der Versuch, den Menschen mit einem dem Trab nachempfundenen Antriebsmechanismus aus der Sklaverei des Rades zu befreien.

aus Wikipedia: Das Cavallo des Zweiradherstellers Hercules war ursprünglich eine Entwicklung des deutschen Maschinen- und Flugzeugbau-Ingenieurs Hans Günter Bals. 1956 versuchte er zum ersten Mal seine Idee einer den ganzen Körper einbeziehenden Fortbewegung in einem Kinderfahrrad zu realisieren. Nach dem Bau eines ersten Rades als Einzelstück konzipierte er in den 1970er-Jahren einen ersten Prototyp für Erwachsene. Als "Viergelenkrahmen" konstruiert ermöglichte es erstmals einen Radantrieb durch Einsatz des ganzen Körpers. Arme, Beine, Bauch, Brust und Rücken - alles war am Antrieb des Rades beteiligt, in einer physiologisch natürlichen, runden Bewegung. 1978 wurde die von Bals konstruierte Neuentwicklung als "Reitrad" im Aktuellen Sportstudio vorgestellt. Hercules erwarb die Lizenz und stellte eine erste Serie unter dem Namen Cavallo her. Durch gravierende Änderungen an der originalen Konstruktion verlor das Rad jedoch sein dynamisches Potenzial - und damit auch seine Chance auf eine serielle Vermarktung...... Der Lizenzvertrag mit Hercules wurde aufgelöst und Bals übernahm die Entwicklung und Herstellung unter dem Namen Balsbike und später Swingbike wieder selbst - in kleinsten, teils handgefertigten Auflagen....... 2009 ist er mit einer neuen Auflage des Swingbike in Serie gegangen.

Swingbike auf youTube

 

Wir haben kein Sinnesorgan für Geschwindigkeit. Wir können nur Beschleunigung fühlen; mit dem gleichen Organ, mit dem wir auch die Schwingungen der Luft aufnehmen, - der Musik lauschen, die der Seele Flügel verleiht. Schon Pythagoras hat Harmonie in Zahlen gefaßt. Wie die Seele auf die Beschleunigung des Körpers reagiert, ist weniger erforscht.

Sind Körper und Seele in Resonanz, dann werden Grenzen verschoben, für unmöglich Gehaltenes wird möglich.
Aber der Kick des Bungeespringers, ist nicht der Kick des Trampolinspringers! Nutzen wir die Freude und Leichtigkeit, mit der Letzterer mit der Schwerkraft spielt, erlauben wir ihm, nicht nur auf der Stelle, sondern auch vorwärts zu springen. Der Flugradbauer Gustav Mesmer, auch Ikarus vom Lautertal genannt, nagelte zu diesem Zweck Metallfedern unter derbe Bauernschuhe. In der Sammlung seiner originellen Ideen (derentwegen man ihn fast vierzig Jahre lang in die Irrenanstalt sperrte) befinden sich auch verschiedene Muster fantastischer Siebenmeilen(spring)stiefel.

 

Poweriser, projump
gesehen auf der Hannover Messe 2007

Poweriser auf YouToube

 

 

Springboat Leylstad

Ein überzeugendes Beispiel eines der Springidee zugrunde liegenden 'Feder-Masse Systems' ist das 'Springboat' der 'Ersten Holländischen Ideenfabrik' (Info Bull 96), bei dem der Bootsführer auf Deck steht und durch rhythmisches Beugen der Knie sein Boot zum Wippen bringt.

Foilpropeller

Dabei erzeugt eine (frei bewegliche) Flosse (Foilpropeller) unter dem Bootskörper einen nicht geringen Vortrieb. Es ist verblüffend zu sehen, wie wenig Energie es braucht, um Boot und Wasser in Resonanz zu halten und wie viel Freude es offensichtlich bereitet.

 

 Film vom HPV-Bootsrennen in Leylstad u.a. mit Spring- und Tragflächenbooten auf YouTube

Der schwedische Ingenieur Alexander Sahlin entwickelte ein dynamisches Springboot ohne Auftriebskörper, den Aquaskipper.

Aquaskipper auf YouTube

 

" Das zu Ende gehende Zeitalter war gekennzeichnet durch Leistung, Geschwindigkeit, Komfort, Prestigedenken und schrankenlose Mobilität. Ein Symbol hierfür war das Auto. Das kommende Zeitalter wird hoffentlich gekennzeichnet sein durch Leben im Einklang mit der Natur, sanfte Technik, Gefühl für die tieferen Bedürfnisse des Menschen und Freude am Naheliegenden. Ein Symbol hierfür könnte das Fahrrad sein."

Werner Stiffel, Liegeradpionier

 

 

VOM FOLGENSCHWEREN AUTO-WAHN

in Jamben paarig gereimt sowie gemeinen Nutzens zu Gut ins World Wide Web gestellt,
alle Leser dabei gÖttlicher Obhut innigst empfehlend
durch Freimund Biederwacker in Salen, Grafschaft Leisenburg

Körperliche und geistige Rückbildung
Preis der automobilen Annehmlichkeit

Komfort, Genuss und Schnelligkeit:
Bewegung in Behaglichkeit
Verspricht das Auto seinem Fahrer.
Jedoch wird täglich wahrnehmbarer,
Dass seine Muskeln nehmen ab:
Er kraftlos wird, phlegmatisch, schlapp.

Denn wer die Beine kaum noch nutzt,
Wer schlechtem Wetter nicht mehr trutzt,
Den Schweiss ob steilen Wegs nicht kennt,
Zuweilen nicht in Eile rennt,
Auch Bürden, Lasten nimmer trägt,
Nie seinem Herzen auferlegt,
Dass bis zum Halse laut es pocht,
Und in der Lunge schier es kocht:
Der wird im Körper sehr bald schwach,
Der Kopf folgt nach dann allgemach!

Ein Lehrsatz ist, dass sich zumeist
Bald bildet auch zurück der Geist,
Wenn man den Leib von Müh befreit
Und aalt sich in Bequemlichkeit.
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pdf Datei
http://www.uni-siegen.de/~stilling/downloads/auto-wahn.pdf

 

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